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Internationaler Frauentag – Portrait Anna Sacher

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Anlässlich des 8. März, des Internationalen Frauentags, möchten wir euch Anna Sacher vorstellen, die legendäre Chefin des Hotel Sacher. Nach dem frühen Tod ihres Mannes im Jahr 1892 übernahm sie die Leitung – alles andere als selbstverständlich für diese Zeit!

Das legendäre Hotel und die Sacher Torte – wie alles begann

Franz Sacher erfand, so will es die Legende, die Sacher Torte als 16-jähriger Lehrling, als der Chefkoch krank war. Die Schokotorte mit Marillenmarmelade soll Fürst Metternich und seinen Gästen außerordentlich gut geschmeckt haben. 1848 eröffnet Franz Scher einen Feinkostladen im ersten Wiener Gemeindebezirk, die Sacher Torte verkauft sich sehr gut und wird berühmt.

Sein Sohn, Eduard Sacher, führt die Geschäfte des Vaters weiter und benennt dessen „Hôtel de l’Opéra“ bald in Hotel Sacher um. Es liegt gleich neben dem Delikatessengeschäft der Sachers und gegenüber der neu erbauten Oper.

Eduard und Anna Sacher

Anna Sacher, geborene Fuchs, arbeitet im Delikatessengeschäft und lernt dort Eduard Sacher kennen. 1880 heiraten die beiden – Anna ist gerade einmal 21 Jahre alt, Eduard 37. Er stirbt bereits 12 Jahre später an einer Lungenentzündung. Sie kennt das Unternehmen und ist bereits eng in den Betrieb involviert: Anna richtet Feste aus, kümmert sich um die Korrespondenz, schaltet Anzeigen und vergibt die Gestaltung der Menükarten an verschiedene Künstler. Das Sacher entwickelt sich schnell zu einem beliebten Treffpunkt der gehobenen Gesellschaft. Als nun ihr Ehemann 1892 stirbt, denkt sie gar nicht daran, sich aus dem Geschäft zurückzuziehen – ganz im Gegenteil!

Die Rolle der Frau in der Gesellschaft

Ende des 19. Jahrhunderts hatten Frauen deutlich weniger Rechte als Männer und waren noch weit davon entfernt, ihnen gleichgestellt zu sein. So war es ihnen beispielsweise verboten, sich politisch zu engagieren: 1892 nahm zwar die Sozialdemokratische Partei in ihrer Forderung nach einem allgemeinen Wahlrecht den Zusatz „ohne Unterschied des Geschlechts“ mit auf; es sollte aber noch bis 1918 dauern, dass Frauen zu Wahlen zugelassen wurden.

Frauen arbeiteten schon immer, besonders wenn es finanziell notwendig war. Ihre Rolle als Mutter und Hausfrau wurde aber als „natürlich“ angesehen und über alles andere gestellt. Sobald eine Frau heiratete, hatte sie Kinder zu bekommen und sich um diese zu kümmern – der Mann war der Ernährer der Familie und, wenn möglich, auch der Alleinverdiener.

Es dauerte lange, bis sich dies ändern sollte. Dennoch gab es immer wieder auch Frauen, die den traditionellen Rollenbildern trotzten und sich Freiheiten erkämpften.

Schwarz-Weiß-Fotografie aus der Zeit, als Anna Sacher Hotelchefin wurde
Hotel Sacher in den 1890er Jahren

Eine Frau als Hotelchefin?

Eine Frau als Oberhaupt eines großen, berühmten Hotels und Restaurants? Das passte so gar nicht in die damalige Zeit. Ende des 19. Jahrhunderts war es nicht üblich, dass Frauen die Lizenz bekamen, ein derartiges Unternehmen zu führen – doch als eine der ersten Frauen bekam sie tatsächlich eine und war ab 1895 alleinige Eigentümerin und Leiterin des Hauses. Ihr Leitsatz war seitdem: „Der Herr im Haus bin ich!“

Anna Sacher war eine charismatische, laute und auffällige Frau, die auch nicht davor zurückscheute, Forderungen zu stellen. So ist überliefert, dass Kronprinz Rudolf gerne und oft ins Sacher kam – und dort anschreiben ließ. Angeblich hat Anna Sacher nach dessen Selbstmord in Mayerling seine Schulden in Rechnung gestellt und, als nicht gezahlt wurde, das Tafelsilber verlangt. Wenn es nicht wahr ist, so ist es zumindest gut erfunden – Tatsache ist, dass sich im Besitz des Hotel Sacher noch heute Stücke aus dem Schloss Mayerling befinden.

Frauen im Sacher

Anna Sacher war sicherlich eine auffällige, interessante Frau, die sich den typischen Geschlechterrollen oft widersetzte; zum Beispiel rauchte sie am liebsten Zigarren – skandalös! Aber sie brach nicht nur mit den traditionellen Rollen, indem sie sich oft nicht so benahm, wie es die Gesellschaft erwarten würde; sie verhalf auch ihren weiblichen Gästen zu unüblichen Freiheiten: um 1900 war es Frauen nicht erlaubt, allein ins Kaffeehaus zu gehen, es galt als absolut unschicklich. Deshalb eröffnete Anna Sacher eigene Frauensalons bzw. Separées, in denen Frauen sich zurückziehen konnten, ohne dass alle von ihren Kaffeehausbesuchen erfahren hätten. Auch allein einkaufen war verpönt – deshalb richtete Anna Sacher sogar einen unterirdischen Geheimgang ein, durch den Frauen direkt zum traditionsreichen Geschäft „Wilhelm Jungmann & Neffe“ gelangten und sich dort verborgen von allen Blicken mit den neuesten Stoffen eindecken konnten. Diese Freiheiten waren aber nur für Frauen möglich, die aus gehobenen Schichten kamen.

Die Situation heute

Zum Glück hat sich seitdem vieles geändert und Frauen dürfen selbst darüber bestimmten, ob sie arbeiten gehen und was sie mit ihrem Einkommen machen; sie dürfen wählen und gewählt werden und vieles mehr. Auch wenn dies für uns heute selbstverständlich klingt, sollten wir nicht vergessen, dass vieles davon noch nicht lange her ist – erst seit 1975 dürfen Frauen in Österreich ohne die Erlaubnis ihres Mannes arbeiten gehen. In Deutschland und Österreich dürfen Frauen seit 1918 wählen, in der Schweiz dauerte dies etwas länger: die meisten Kantone führten das Frauenwahlrecht erst 1971 ein, der Kanton Appenzell Innerrhoden erst im April des Jahres 1990!

Anna Sacher war eine Frau in einer Führungsposition und damals eine absolute Ausnahme – doch auch heute werden noch deutlich weniger Unternehmen von Frauen geleitet als von Männern. Im EU-Schnitt waren 2019 nur 34,7% der Führungspositionen mit Frauen besetzt; Österreich und Deutschland liegen sogar darunter. Auch wenn Frauen und Männer rechtlich gleichgestellt sind, gibt es viele andere Faktoren, die zur Benachteiligung führen können. So sind z. B. in allen EU-Mitgliedstaaten weniger Frauen erwerbstätig als Männer. Sie verdienen auch im Schnitt weniger – selbst wenn man berücksichtigt, dass mehr Frauen als Männer in Teilzeitjobs arbeiten.

Internationaler Frauentag

Der Internationale Frauentag wurde in Deutschland erstmals 1911 begangen. Hauptthema war in den ersten Jahren das Frauenwahlrecht; seitdem wird die Aufmerksamkeit auf Themen wie gleicher Lohn für alle, Abtreibung, sexueller Missbrauch und vieles mehr gelenkt. Im Nationalsozialismus wurde er verboten. Im Rahmen der 2. Welle der Frauenbewegung rückte er jedoch in den 60er Jahren wieder in den Fokus.

Auch wenn Anna Sacher nie politisch tätig war, zeigte sie auf, dass Frauen stark und selbstbewusst auftreten und in Führungspositionen erfolgreich sein konnten. Sie wäre sicherlich erfreut über die Möglichkeiten, die Frauen heute in Europa haben.

PS: Bald gibt es von uns Neuigkeiten über Anna Sacher und ihr Hotel – doch mehr verraten wir euch hier noch nicht, also bleibt dran!

Featured image: Anna Sacher, fotografiert von Madame d’Ora

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